Mittwoch, 14. Februar 2018

Leni Riefenstahl-Nachlass geht von Bayern an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Der gesamte Nachlass der Regisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl (1902-2003) geht nach Berlin, wo die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zusammen mit der Deutschen Kinemathek das Riefenstahl-Erbe aufarbeiten will: rund 700 Kartons mit Foto- und Filmbeständen, Manuskripten, Briefen, Akten und Dokumenten. Nach Angaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verfügte Riefenstahls frühere Sekretärin und Alleinerbin Gisela Jahn die Schenkung nach Berlin. Jahn habe das umfangreiche Konvolut von Riefenstahls 40 Jahre jüngerem Ehemann und Kameramann Horst Kettner nach dessen Tod im Jahr 2016 erhalten. Er bewahrte den Nachlass der Regisseurin, die 2003 im Alter von 101 Jahren gestorben ist, in der gemeinsamen Villa in Pöcking am Starnberger See auf.

Die Aufarbeitung des Materials soll bald beginnen. Dafür müssen zunächst Anträge auf finanzielle Förderung bei mehreren Institutionen gestellt werden. Der fotografische Bestand soll im Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo untergebracht werden. Hier wird seit 2004 auch das Werk Helmut Newtons gezeigt, mit dem Leni Riefenstahl in ihren späten Lebensjahren befreundet war. Die Korrespondenzen, Tagebücher und Manuskripte sollen von der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz betreut werden.

Die 1902 in Berlin geborene Riefenstahl wurde vor allem mit umstrittenen Propagandafilmen über die Reichsparteitage der Nationalsozialisten in Nürnberg 1934 („Triumph des Willens“) sowie mit dem zweiteiligen Film über die Olympischen Spiele in Berlin 1936 („Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“) so berühmt wie berüchtigt. Sie galt neben dem Schauspieler und Intendanten Gustaf Gründgens als das prominenteste Beispiel für die Verführbarkeit des Künstlers durch die politische Macht in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand sie praktisch keine Auftraggeber mehr für neue Filme.

Ihr 1940 bis 1942 entstandener Film „Tiefland“ wurde 1954 gezeigt. Für die Dreharbeiten hatte sie 60 Sinti und Roma aus Konzentrationslagern rekrutiert, was später zu heftigen Diskussionen führte. So setzte Riefenstahl ihre Karriere als Fotografin mit Bildbänden etwa über den afrikanischen Stamm der Nuba fort. Bis zuletzt beharrte sie darauf, dass „Triumph des Willens“ ein „reines Kunstwerk“ sei, der Film enthalte kein einziges antisemitisches Wort. Nach dem Krieg habe man das mit einer politischen Brille gesehen. Zu ihrem 100. Geburtstag im August 2002 hatte Riefenstahl noch einmal einen Film über die Schönheit der Atolle im Indischen Ozean gedreht. Die Arbeit unter Wasser war eine späte Leidenschaft der Regisseurin.

Esteban Engel

Keine Kommentare: